>>> zurück zu Güterverkehr

 

Was bezeichnet man mit Binnenschifffahrt?

Unter Binnenschifffahrt versteht man die Schifffahrt auf Binnengewässern und Binnenwasserstraßen. Diese sind Flüsse, Kanäle und Seen. Zu den Transportgütern der Binnenschifffahrt gehören Massengut (Schütt- und greiferfähige Massengüter), Gefahrgut (vornehmlich flüssige und gasförmige Güter, die mit Tankschiffen befördert werden), Container, Ro-Ro-Güter (Transport von Landmaschinen, kompletten Lastzügen und übrigen fahrbaren Geräten mit Spezialschiffen) und Schwergut (z.B. Brückenbauelemente, Kraftwerksteile oder Turbinen).

 

Das deutsche Wasserstraßennetz

In Deutschland umfasst das Wasserstraßennetz rund 7.500 Kilometer. Je ein Drittel davon entfällt auf frei fließende und staugeregelte Flüsse sowie Kanäle. Diese Wasserstraßen unterliegen einer Wasserstraßenklassifikation von der Europäischen Verkehrsministerkonferenz (CEMT). Von den 7.500 km des deutschen Wasserstraßennetzes entfallen 623 km auf den Rhein. Jährlich wird der Niederrhein wird jährlich von knapp 200.000 Schiffen befahren. Die entspricht im Durchschnitt etwa 500 Schiffe am Tag. Der Rhein ist somit die verkehrsreichste Wasserstraße in Europa und vermutlich sogar der Welt. Zum Rheinstromgebiet gehören neben dem Rhein die Nebenflüsse Mosel, Main und Neckar. Das Rheinstromgebiet bildet gemeinsam mit den Flüssen Weser, Elbe, Oder und Donau das Grundgerüst des deutschen Wasserstraßensystems.

Die Flüsse sind durch den Bau von Kanälen miteinander zu einem wahren Verkehrsnetz verbunden worden. Die bedeutendste Netzergänzung ist durch die Vollendung des Main-Donau-Kanals bewerkstelligt worden. Das letzte Teilstück dieses Kanals ist im Jahr 1992 dem Verkehr übergeben worden. Seitdem verfügt die Schifffahrt eine durchgehende internationale Wasserstrasse von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer, die 3.500 km lang ist. (Quelle: Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt e.V., www.binnenschiff.de)

 

Gütermengen auf Wasser

Jährlich werden in Deutschland über die Bundeswasserstraßen bis zu 240 Millionen Tonnen Güter mit einer Transportleistung von 65 Milliarden Tonnen-Kilometer transportiert. Das sind  fast 75 Prozent der Güterverkehrsleistung der Eisenbahnen bzw. rund circa 14 Millionen LKW-Fahrten. Ferner werden im Binnenschiffsverkehr etwa 1,5 Millionen Container transportiert: Eine Beförderungsmenge, die die weitere 700.000 Lkw-Fahrten entspricht. Dadurch leistet die Binnenschifffahrt einen beachtlichen Beitrag zur Bewerkstelligung der Transportnachfrage und dies wird mit kostengünstigen, termingetreuen und umweltfreundlichen Lösungen. Rund 400.000 Arbeitsplätze sind von der Binnenschifffahrt und den Häfen in Deutschland abhängig.

 

Verlagerung des Gütertransportes auf Wasserwege

Damit die Binnenschifffahrt an der Bewältigung der künftigen Verkehrsprobleme verstärkt beitragen kann, braucht eine zukunftsstarke Binnenschifffahrt leistungsfähige Wasserstraßen. Laut sämtlichen Prognosen zur zukünftigen Entwicklung des Anstiegs beim Gütertransport in den nächsten 10 bis 20 Jahren wird die Straße die Zunahmen im Rahmen des Straßengüterverkehrs nicht bewerkstelligen können. Infolgedessen ist es notwendig, verkehrspolitische Alternativen bereitzustellen. Die Güter werden nicht von alleine von der Straße auf das Wasser kommen. Es ist erforderlich, dass Verlader und Spediteure zunächst mit der "nassen Transportkette" als Alternative zunächst vertraut zu machen. Insbesondere müssen die noch vorhandenen Hindernisse, die der Binnenschifffahrt gegenüber dem Straßengüterverkehr noch entgegenstehen, ausgeräumt werden. Für die Erreichung dieses Ziel arbeiten Bund, Küstenländer und Küstenwirtschaft gemeinsam.

Eine konkrete Handlungsmaßnahme, ähnlich wie in den meisten anderen Staaten der Europäischen Unionen, ist die Gründung einer Kontaktstelle, die mit den betroffenen Unternehmen der Wirtschaft Schritt für Schritt alle Informationsdefizite beseitigt, welche die Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf das Wasser noch hemmen. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat daher im Jahr 2001 gemeinsam mit sechs Bundesländern, Verbänden und Unternehmen der maritimen Wirtschaft das ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center Deutschland (SPC Deutschland) gegründet: Eine Arbeitsgemeinschaft von Staat und Wirtschaf, die berät und Konzeptlösungen für den Transport im europäischen Kurzstreckenseeverkehr bietet. (Quelle: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung)

 

Vorteile der Binnenschifffahrt

  • Die Binnenschifffahrt verfügt über freie Transportkapazität und ist der kostengünstigste Transportmittel unter den Verkehrsträgern
  • Der Gütertransport auf Wasser ist umweltschonend und belastet kaum die Qualität des Wassers. Zudem gilt die Binnenschifffahrt als das sicherste Verkehrssystem
  • Die Schadstoffemissionen sind im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern relativ gering
  • Energieverbrauch pro Kilometer ist durch die großen Ladekapazitäten besonders niedrig
  • Lärmemission- bzw. Belästigung durch Schiffe sind so gut wie ausgeschlossen
  • Die Binnenschifffahrt wird nicht subventioniert
  • Die Binnenschifffahrt ermöglicht in exzellenter Weise den Transport von Containern und Schüttgütern
  • Die Binnenschifffahrt entlastet den deutschen Straßenverkehr. Sie bildet eine hervorragende Alternative zum Straßen- und Schienengüterverkehr

 

Nachteile der Binnenschifffahrt

  • Der Transport von Gütern auf den Wasserwege dauert länger
  • Manövrierfähigkeit der Binnenschiffe ist eingeschränkt und arteigen auf Flüsse oder Kanäle beschränkt
  • Das Wassernetz ist nicht flächendeckend. Die natürlichen und künstlichen Wasserwege sind begrenzt

 

>>> weiter zu Seeschifffahrt