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Krankenhaus-Logistik: High-Tech-Lösungen für den Patienten
Hinter der medizinischen und pflegerischen Kernkompetenz eines Krankenhauses verbergen sich viele Sekundärprozesse, die den reibungslosen Ablauf des Krankenhausbetriebes garantieren. Hierzu zählen zahlreiche Logistikdienstleistungen wie Warenwirtschaft, Patiententransport und Entsorgung von Medizin- und Medikalprodukten.
Aufgaben und Ziele
Die Krankenhauslogistik hat die wichtige Aufgabe, die Verfügbarkeit sämtlicher Ressourcen (Personal, OP-Säle, Betten, Medikamente, usw.) sicherzustellen, die für die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung nötig sind. Bei der Planung von Prozessabläufen im Krankenhaus werden oftmals mehrere gegenläufige Ziele verfolgt, d. h. nicht alle Ziele können vollständig erfüllt werden, wie zum Beispiel:
- Planungssicherheit (z. B. hohe Termintreue)
- Effizienz (z. B. hohe Ressourcenauslastung)
- Patientenzufriedenheit (z. B. kurze Wartezeit)
Krankenhauslogistik - Probleme und Konflikte
Während eines Klinikaufenthalts werden in der Regel verschiedene Untersuchungen und Behandlungen in den entsprechenden Funktionsbereichen durchgeführt. Aus Sicht des Patienten sind die Terminvereinbarungen mit möglichst geringen Wartezeiten einzuhalten. Die Leitstellen wiederum fordern möglichst wenig Leerlauf für Personal und Geräte. Durch den zunehmenden Einsparzwang ist das Krankenhausmanagement außerdem an der weitgehenden Vermeidung zusätzlicher Kosten interessiert, wie sie beispielsweise durch Überstunden entstehen können.
Methodische Vorgehensweise
Im Schwerpunkt unserer Vorgehensweise steht die Erstellung ausgewogener Planungsvorschläge, die gute Kompromisse zwischen konträren Zielen unter Beachtung technischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bieten. Ferner werden Handlungsspielräume für die Planungsziele aufgezeigt, die eine individuelle Entscheidungsfindung ermöglichen.
»Harte« und »weiche« Rahmenbedingungen
Das Fraunhofer ITWM entwickelt Optimierungsmodelle und -methoden, die auf verschiedene Datenpools (z. B. Krankenhausinformationssystem und andere EDV-Systeme) und Präferenzen der Akteure zugreifen. Dabei werden diverse »weiche« und »harte« Rahmenbedingungen berücksichtigt, die die verfügbaren Ressourcen beschränken. Weiche Einschränkungen sind solche, die zur Optimierung der Pläne dienen, aber nicht unbedingt eingehalten werden müssen; ihre Überschreitung wird jedoch bestraft. So kann nach Auslastung der vorhandenen personellen Ressourcen zusätzliche Kapazität in Form von Überstunden genutzt werden.
Zu den harten Einschränkungen gehört beispielsweise die technische Ausrüstung der OP-Säle. Der Nutzen einer modellgestützten Planung im Bereich der Krankenhauslogistik ist für den Anwender sehr hoch. Denn mit ihr lassen sich die verfügbaren Ressourcen effizient einsetzen und Ziele wie höhere Patientenzufriedenheit, verbesserte Personalplanung und geringere Kosten erreichen.
Während eines Krankenhausaufenthalts nimmt der Patient meist verschiedene Funktionsbereiche in Anspruch, in denen Leistungen zur Diagnose und Therapie erbracht werden. Lange Wartezeiten sind dabei nicht ungewöhnlich, wenn eine geplante Untersuchung sich verzögert oder wenn der Krankentransportdienst den Patienten nicht zur gewünschten Uhrzeit abholen kann.
Aufgabe und Bedeutung
Der Krankentransportdienst befördert Patienten zwischen Bettenstationen und Leistungsstellen als Schiebedienste oder mit speziellen Fahrzeugen. Die tägliche Disposition dieser Transporte gehört zwar nicht zu den Kernaufgaben einer Klinik, hat jedoch erhebliche Auswirkungen auf andere Bereiche: Wenn beispielsweise der zu operierende Patient nicht rechtzeitig im OP-Bereich eintrifft, kommt es zu teurem Stillstand. Bei der Abwicklung von Krankentransporten werden offene Aufträge den verfügbaren Transportteams unter Berücksichtigung ihrer räumlichen und zeitlichen Nähe zugeteilt. Für jedes Team werden verschiedene Aufträge zu einer Tour gebündelt, wobei jede Tour die Reihenfolge der anzufahrenden Abhol- und Zielorte sowie die geplanten Ankunftzeiten für die Anfahrpunkte enthält.
Dabei entstehen konfliktäre Ziele:
- Minimierung der Betriebskosten durch möglichst kurze Touren und weitgehende Vermeidung von Leerfahrten
- gleichmäßige Auslastung der Transportressourcen
- Verbesserung der Servicequalität durch geringe Patientenwartezeiten Vorteile mathematischer Verfahren
Mithilfe mathematischer Optimierungsverfahren werden die besten Kompromisse herausgefiltert und dem Disponenten zur Entscheidungsunterstützung unterbreitet. Da im Laufe des Tages ständig neue, kurzfristig angeforderte Transportaufträge (z. B. durch Klinik-Neueinweisungen und Notfälle) auftreten, werden bestehende Tourenpläne in Echtzeit überarbeitet. Der OP-Bereich ist der kostenintensivste Arbeitsplatz im Krankenhaus. Durch verbesserte Koordination und Planung aller Arbeitsabläufe lassen sich Verbesserungspotenziale für die Krankenversorgung erschließen und Einsparungen erzielen. Zu den Tätigkeiten des OP-Managements gehören die OP-Planung, die Abstimmung der benötigten und der vorhandenen Personalkapazitäten und Materialressourcen, die Organisation der Personaleinsatzpläne, die Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit des OP-Bereiches und das Qualitätsmanagement.
Mittelfristige OP-Planung
Bei der mittelfristigen OP-Planung werden Termine ca. eine bis drei Wochen im Voraus gebucht.
Eine balancierte wöchentliche Aufteilung der verfügbaren Ressourcen wie zum Beispiel die Belegung der OP-Säle und der Betten, sowie das Einhalten der regulären Arbeitszeiten bzw. der jeweiligen Kontingente der Abteilungen sind hierbei von besonderer Bedeutung.
Kurzfristige OP-Planung
Bei der kurzfristigen OP-Planung wird der Tagesablauf eines OP-Bereiches festgelegt. Personal, Geräte, Material und OP-Säle werden so eingeteilt, dass alle für den Tag geplanten Eingriffe durchgeführt werden können. Ein möglichst robuster OP-Plan ist von großer Bedeutung im klinischen Alltag.
Vorteile mathematischer Verfahren
Mathematische Verfahren eignen sich besonders für die OP-Planung, da sie die Verfügbarkeit der benötigten Ressourcen (OP-Säle, Personal, Geräte) berücksichtigen und die Beachtung von Präferenzen der verschiedenen Berufsgruppen (Krankenhausleitung, Operateure, Anästhesisten, Pflegepersonal) ermöglichen. Die Planungswünsche der verschiedenen Berufsgruppen sind zum größten Teil konkurrierend: Einerseits sind OP-Manager und Krankenhausleitung an der hohen Saal-Auslastung interessiert, andererseits möchte das OP-Personal die geplanten Arbeitszeiten einhalten.
Die Patienten sind an einer hohen Termintreue interessiert. Der Einsatz kombinatorischer Optimierung ermöglicht nicht nur die Berechnung ausgewogener OP-Pläne und Steuerung der eintreffenden Patienten und der Arbeitseinteilung des Personals, sondern hilft auch Einblicke in die Komplexität zu gewinnen. Dadurch ist es möglich, Engpässe zu identifizieren und zu beseitigen. Somit steigt die Servicequalität für den Patienten und die Kosten sinken.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung durch:
Fraunhofer-Institut für Techno- und
Wirtschaftsmathematik ITWM
Fraunhofer-Platz 1
67663 Kaiserslautern
Dr. Michael Schröder
Telefon: +49 (0) 6 31/3 16 00-46 19
E-Mail: schroeder@itwm.fraunhofer.de
Priv.-Doz. Dr. Karl-Heinz Küfer
Abteilungsleiter »Optimierung«
Telefon: +49 (0) 6 31/3 16 00-44 91
E-Mail: kuefer@itwm.fraunhofer.de
www.itwm.fraunhofer.de




